Titelbild avesco Blog Methoden zur Impact-Messung, Lupe auf blauem Hintergrund

Gibt es eben doch: Methoden zur Impact-Messung

Impact-Messung – ein Problem?

Impact Investing als Sparte der nachhaltigen Geldanlagen konnte dem Marktbericht des Forums für Nachhaltige Geldanlagen (FNG) zwischen 2019 und 2020 ein Wachstum von 104 % aufweisen. Erst vor kurzem haben wir an anderer Stelle ausführlich über das Phänomen des Impact Investings berichtet. Eine Frage bleibt jedoch noch, wie funktioniert die Impact-Messung? Denn obwohl Impact Investing noch das kleinste Marktvolumen der nachhaltigen Geldanlagen innehat, handelt es sich um ein zukunftsrelevantes Geschäftsfeld mit großem Wachstumspotential, welchess transparenter werden muss. Insbesondere für das Erreichen des Pariser Klimaabkommens oder der „Sustainable Development Goals“ der UN kann Impact Investing vieles leisten, so Thomas Vellacott in einem Artikel für das Schweizer Blatt „Volkswirtschaft“.

Für das Erreichen dieser Ziele mangelt es jedoch oftmals noch an interessierten InvestorInnen. Besonders wichtig ist es dabei, bestehende Informationsasymmetrien zu beseitigen und dadurch die Transparenz der Geschäftstätigkeiten von Sozial- bzw. Impact-Unternehmen zu erhöhen. Dazu kann insbesondere die Impact-Messung beitragen, die es Impact-InvestorInnen ermöglicht, Einblicke in die Unternehmensziele und handfeste Fakten über deren Umsetzung zu bekommen. Allerdings stieß die Impact-Messung aufgrund nicht einheitlicher Regelungen in der Vergangenheit auf vielfältige Kritik. In diesem Artikel möchten wir daher auf die existierenden Methoden zur Impact-Messung eingehen. Dies möchten wir anhand eines Investitionsbeispiels und einem unterstützten Sozialunternehmen verdeutlichen.

Warum Impact-Messung?

Wie schon angesprochen, wurde in der Vergangenheit häufig kritisiert, dass es keine einheitlichen Kriterien zur Impact-Messung gibt. Oftmals wurde sogar schon behauptet, dass die Wirkung, die InvestorInnen mit ihrem Investment tätigen, überhaupt nicht messbar ist. Hierbei muss zwischen zwei Ebenen der Impact-Messung unterschieden werden. Einerseits geht es um den Impact, den die Investition hat und andererseits geht es um den Impact, den das Zielunternehmen mit seinen Tätigkeiten hat. Insbesondere dieser zweite Impact ist für InvestorInnen von großer Bedeutung. Denn Sozialunternehmen verfolgen oftmals mehrere Ziele. Einmal soll durch wirtschaftliche Tätigkeiten das Bestehen des Unternehmens gesichert werden. Auf der anderen Seite wird jedoch ein übergeordnetes, meist soziales Ziel verfolgt, welches einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen erreichen soll.[1] Da klassische Unternehmen lediglich profitorientiert sind, sind diese für InvestorInnen leichter zu bewerten. Die sozialen Ziele von Sozialunternehmen sind meist schwerer zu verstehen. Daher ist es besonders wichtig den Impact dieser Unternehmen messbar zu machen.

Wie wird Impact-Messung definiert?

Über die Definition von Impact herrscht noch keine relativ große Übereinstimmung. So schreibt das „Impact Management Project“ dazu:

„Impact is a change in an outcome caused by an organisation. An impact can be positive or negative, intended or unintended.“

Damit wird der Impact-Begriff erst einmal sehr weit gefasst. Unter diesen Begriff fallen tendenziell alle unternehmerischen Tätigkeiten, sowohl von traditionellen als auch von Sozialunternehmen. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen spezifiziert den Begriff daher wie folgt:

„In der Sustainable-Finance-Diskussion thematisiert Impact zunächst die ökologischen und sozialen Wirkungen von Investments zum Beispiel auf die von den Vereinten Nationen 2015 verabschiedeten Sustainable Development Goals (SDGs), die Ziele des Pariser Klimaabkommens, den Green Deal der EU und die noch nicht vollständig vorliegende EU-Taxonomie.“

Vogelperspektive auf einen Tisch. Auf dem Tisch liegen diverse Unterlagen mit Statistiken und Diagrammen sowie ein Tablett.

Impact bedeutet in dem vom FNG vorgeschlagenen Begriff die ökologischen und sozialen Auswirkungen des Investments auf übergeordnete Ziele. Übersetzt man dies auf die unternehmerischen Aktivitäten, haben also jene einen Impact, die sich positiv auf die als Beispiel genannten Maßnahmen zum Klimaschutz oder Entwicklung der Gesellschaft auswirken. Impact-Messung würde daher bedeuten, die unternehmerischen Aktivitäten, die eine solche positiven Wirkungen haben zu identifizieren und zu quantifizieren. Nun bleibt die Frage, wie dies in der Praxis bisher gemacht wird?

Welche Methoden zur Impact-Messung gibt es?

1. Impact Measurement Project

Zunächst soll auf die sehr ausführliche Messung des Impact Management Projects eingegangen werden. Unternehmen können dabei in drei unterschiedliche Klassen sortiert werden. Klasse A enthält Unternehmen, die aktiv versuchen Schaden zu vermeiden, bspw. durch die Reduktion von CO2-Emissionen. Zusätzlich gibt es die Klasse B, in der die unternehmerischen Aktivitäten dazu beitragen, dass möglichst viele verschiedene Stakeholder von diesen profitieren. Es wäre bspw. ein solches Ziel, dass in Zukunft alle unternehmerischen Aktivitäten eine positive soziale Wirkung haben. In die Klasse C fallen solche Unternehmen, die zur Lösung von konkreten Problemen, wie bspw. die Reduzierung der Bildungslücke beitragen. Abschließend gibt es noch eine Kategorie für alle Unternehmen, die keine der obengenannten Kriterien erfüllen.

Quelle: Impact Measurement Project

Unternehmen können anhand von fünf Dimensionen bewertet und in eine dieser Kategorien einsortiert werden. Diese sind: What, Who, How Much, Contribution und Risk, wie in Abbildung 1 zu sehen ist. Durch Fragen, wie sie in der zweiten Spalte zu sehen sind, können die Aktivitäten der Unternehmen und deren Impact dann qualitativ bewertet werden. Mithilfe dieser Methodik zur Impact Messung kann festgestellt werden, welche Ziele das Unternehmen verfolgt und wem es damit dient.

2. Das iooi-Modell

Für dieses Modell werden die unternehmerischen Aktivitäten mithilfe eines Systems, bestehend aus vier Kategorien analysiert und bewertet:

  • Input – Darunter sind alle Ressourcen zu verstehen, die das Unternehmen zur Erreichung seiner Ziele aufwendet.
  • Output – Die Leistungen, die mithilfe der eingesetzten Ressourcen erreicht werden.
  • Outcome – Die erreichte Wirkung in der Zielgruppe.
  • Impact – Die Wirkungen, die darüber hinaus für das gesellschaftliche Gemeinwohl erreicht werden können.

Die Bertelsmann Stiftung schreibt dazu in einer Untersuchung, dass sich Impact vor allem durch seine mittel- bis langfristigen Folgeerscheinungen vom Outcome unterscheidet. Dies bedeutet wiederum, dass ein wirklicher Impact meist nur mit einem umfassenden Unternehmensengagement und einem entsprechenden Ressourceneinsatz erreicht werden kann. Zur Impact-Messung schlägt das iooi-Modell verschiedene Methoden vor. Einerseits ist hier die „Nullmessung“ zu nennen, bei der der Ist-Zustand zu Beginn des Engagements gemessen wird. Dadurch können Kennzahlen erhoben werden, mit welchen man eine Vorher-Nachher-Analyse bzw. eine Projektevaluation im Allgemeinen erstellen kann. Weiterhin sind empirische Erhebungen, wie Zeitreihenanalysen ein geeignetes Ziel zur Impact-Messung.

Impact-Messung im European Social Innovation and Impact Fund (ESIIF)*

Da wir selbst einen Fonds, den European Social Innovation and Impact Fund (ESIIF), aufgelegt haben, welcher Mezzanine-Kapital an Sozialunternehmen vergibt, ist Impact-Messung auch für avesco ein wichtiges Thema. Im Rahmen des Fonds verfolgen wir das iooi-Modell zur Impact-Messung, welches oben beschrieben wurde.

Ziele der Impact-Messung

Aber was bedeutet Impact-Messung im ESIIF? Das beantwortet Sarah Budke, zuständig für das Business Development bei der avesco Sustainable Finance AG:

Profilfoto von Sarah Budke
Sarah Budke | Business Development Impact Investing

„Für den ESIIF bedeutet Impact-Messung klare Transparenz für jedes Unternehmen in dessen jeweiligem Wirkungsfeld zu schaffen. Dadurch können die Ziele der Sozialunternehmen messbar gemacht werden sowie Sicherheit und Informationen über die Nachhaltigkeit der getätigten Investitionen an InvestorInnen weitergegeben werden. Im Rahmen von Wirkungsberichten legen uns die Unternehmen ihre „Theory of Change“ mit den zugehörigen Impact-Kennzahlen vor. So können wir im regelmäßigen Austausch gemeinsame Werte kommunizieren und transparent machen. Impact-Messung ist eine neue Dimension der Unternehmensbewertung und sollte im ganzheitlichen Bewertungsprozess eine feste Position erhalten und zu einem globalen Standard finden – gemeinsam mit verschiedenen Initiativen arbeiten wir daran aktiv mit.“

Impact-Messung mit dem ESIIF greifbar gemacht: Ignitia

Wir werden immer wieder von InvestorInnen gefragt: Was für Impact-Unternehmen befinden sich im ESIIF und wie messen diese ihre Geschäftstätigkeiten? Darum haben wir heute ein Beispiel aus unserem eigenen Wirkungskreis mitgebracht: Das Stockholmer Impact-Unternehmen Ignitia. Ein paar Fakten zu Ignitia auf einen Blick:

  • Hauptsitz: Stockholm, Schweden
  • GründerInnen: Smits, Liisa
  • Gründung: 2010
  • Rechtform: Schwedische Aktiengesellschaft
  • Website: https://www.ignitia.se/

An dieser Stelle richten wir auch gerne einen Blick darauf, auf welche Sustainable Development Goals (SDGs) das Unternehmen einzahlt. Ignitia adressiert zwei der insgesamt 17 SDGs.

SDG 01 - keine Armut
SDG 02 - kein Hunger

Wie sieht Impact-Messung bei Ignitia aus?

Ignitia wurde mit der Mission gegründet, Ernteertragsteigerungen für KleinstbäuerInnen in tropischen Regionen durch ein einzigartiges Wettervorhersage-Tool zu ermöglichen. Dem Unternehmen ist es gelungen, ein analytisches Vorhersage-Tool namens iskaWeather zu entwickeln, das es mit einer bisher nicht erreichten Genauigkeit schafft, Regenzeitpunkte und -intensitäten in tropischen Regionen zu antizipieren. Über Textnachrichten erhalten die BäuerInnen lokale 2-Tages-Vorhersagen sowie monatliche und saisonale Prognosen. Mithilfe des Vorhersage-Tools wird es den FarmerInnen ermöglicht, die optimalen Zeitpunkte für Aussaat, Düngung und Ernte herauszufinden und bei ihrer Planung mit einzubeziehen. Dadurch gelingt es den KleinstbäuerInnen weniger Ressourcen zu verwenden und das Ernteausfallrisiko zu senken. Der Erfolg dieser Maßnahmen wurde bereits durch mehrere unabhängigen Studien bestätigt. Es wurde herausgefunden, dass Information zu einer Verhaltensänderung bei den BäuerInnen beitragen können, welche wiederum mit einer Produktivitätssteigerung einhergeht.

Doch wie misst das Unternehmen seinen Impact? Bei Ignitia werden vor allem quantitative Daten genutzt, um klare Kennzahlen bereitstellen zu können. So steht zur Impact-Messung die Anzahl der erreichten BäuerInnen im Vordergrund. Bis heute sind das mehr als 1,3 Millionen BäuerInnen in fünf afrikanischen Staaten. Darüber hinaus misst das Unternehmen den Prozentsatz jener BäuernInnen, die auch mit den Vorhersagen arbeiten. Wie weiter oben beschrieben, wurde durch unabhängige Studien herausgefunden, dass iskaWeather zu einer Verhaltensänderung bei KleinstbäuerInnen führen kann. Abschließend misst das Unternehmen die Anzahl an gesendeten Vorhersagen. Bis heute sind das über 220 Millionen Nachrichten. Im Rahmen der oben beschriebenen Methodiken kann hier von einem ganz klaren positiven gesellschaftlichen Impact gesprochen werden, den Ignitia mit seinen Geschäftstätigkeiten schaffen kann.

*DISCLAIMER

Bei dieser Marketingmitteilung handelt es sich nicht um eine Empfehlung zum Kauf bzw. zur Zeichnung von Kommanditanteilen an der European Social Innovation and Impact Fund GmbH & Co. KG („ESIIF GmbH & Co. KG“), die ein geschlossener Spezial-AIF nach § 2 Abs. 4 des Kapitalanlagengesetzbuches („KAGB“) ist. Sie ist auch weder ein Verkaufsprospekt noch eine Aufforderung zum Kauf. Potentielle Anleger sollten den Gesellschaftsvertrag und das Muster der Beitrittsvereinbarung sowie ergänzend das Private Placement Memorandum („PPM“) lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um die Beteiligungsmöglichkeit und die damit verbundenen potenziellen Chancen und Risiken vollständig zu verstehen. Alle Angaben in dieser Marketingmitteilung stammen mit Ausnahme der separat gekennzeichneten Quellenangaben von der ESIIF GmbH & Co. KG und beruhen auf eigener Ausarbeitung. Die unverbindlichen Angaben zur Beteiligung ESIIF GmbH & Co. KG sind verkürzt dargestellt und stellen kein öffentliches Angebot dar. Die Investmentmöglichkeit richtet sich ausschließlich an professionelle und semi-professionelle Anleger gemäß § 1 (19) Nr. 32 und 33 KAGB mit Sitz in Deutschland. Potentielle Anleger sollten vor einer Beteiligung in jedem Fall eine eigene steuerliche und rechtliche Beratung durch fachkundige Dritte einholen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei der vorliegenden Marketingmitteilung um die werbliche Kurzinformation zu einer Anlagemöglichkeit in eine unternehmerische Beteiligung handelt. Einzelheiten zu dieser Investitionsmöglichkeit entnehmen Sie bitte dem Gesellschaftsvertrag, dem Muster der Beitrittsvereinbarung und dem PPM, die unter anderem bei der avesco Management GmbH, Mohrenstraße 34 in 10117 Berlin und bei der Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship GmbH („FASE“), Prinzregentenplatz 10 in 81675 München erhältlich sind. Stand: August 2021