Auf einer gelben Oberfläche liegen mehrere Würel mit Buchstaben bedruckt. Zusammen bilden die Würfel den Satz "You are the best". Drumherum ist goldfarbenes Konfetti verteilt.

Was hebt Hidden Champions vom restlichen Mittelstand in Deutschland ab?

Weltweit gibt es nur ca. 2.700 Hidden Champions und knapp die Hälfte dieser Unternehmen stammt aus Deutschland. Die Bedeutung der Perlen des Mittelstandes hierzulande wird mit einem Blick auf die Exportleistung deutlich: Rund 25 Prozent der deutschen Exporte stammen von Hidden Champions.

Doch warum gibt es gerade in Deutschland so viele Hidden Champions?

Das hat mitunter historische Ursachen: So war Deutschland bis 1918 kein Nationalstaat, sondern bestand offiziell aus 23 Monarchien und drei Republiken. Das bedeutet, dass es viele industrielle Zentren gab und so sind auch die Hidden Champions über die ehemaligen Länder verteilt. Nach neuester Zählung gibt es allein in Deutschland 1.573 Hidden Champions, von denen mehr als die Hälfte Weltmarktführer sind.

Was zeichnet die Klassenbesten des Mittelstands aus?

Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, die drei wichtigsten Eigenschaften sind jedoch:

  1. Das ambitionierte Ziel, der Beste in seinem Markt zu sein. Niemand „stolpert“ in die Weltführerschaft, dafür muss man Energie und Ausdauer haben.
  2. Der Fokus auf eine Nische. Nur so wird man Weltklasse. Fokus hat aber einen Nachteil – er macht den Markt klein. Um ihn groß zu machen, muss man…
  3. … globalisieren. Das ist der dritte Pfeiler. Nehmen wir das Beispiel Flexi: Die Firma stellt ausziehbare Hunderollleinen her. Nur dieses eine Produkt in verschiedenen Varianten. Damit hält Flexi 70 Prozent des Weltmarktes. Sprich, wenn man die ganze Welt bedient, wird jeder Markt groß.

Hinzu kommen Innovationspotenzial, KundInnen-Nähe sowie eine hohe MitarbeiterInnen-Treue, die die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Eine Grafik, die drei typische Eigenschaften von Hidde´n Champions-Unternehmen zeigt.
1. Quelle: Eigene Darstellung avesco


Unterschiede in Unternehmenskultur und Management

Hidden Champions zeigen sich nicht nur wirtschaftlich performant, sondern glänzen auch im Bereich der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit. Ein Beispiel: Die Fluktuationsrate liegt bei Hidden Champions bei 2,7 Prozent pro Jahr. Bei deutschen Firmen beträgt sie im Schnitt 7,3 Prozent. Eine andere Kennzahl ist die durchschnittliche Amtsdauer des obersten Managements. Bei Hidden Champions liegt sie bei 20 Jahren, bei Großunternehmen sind es sechs. Allein diese beiden Kennzahlen sagen schon viel über die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit der Markt- und Weltmarktführer aus, die mit neun Prozent vom Umsatz auch deutlich mehr in die Lehrlingsausbildung investieren als die sonst üblichen sechs Prozent. Ein paar weitere Beispiele sehen Sie nachfolgend gesammelt:

Eine Grafik, die vier Kennzahlen der Sustainable Hidden Champions zeigt: Umsatz, CO2-Intensität, Enerieverbrauch und Wasserintensität.
2. Quelle: Eigene Darstellung avesco


Welche Rolle spielen Innovationen?

Die Welt der Hidden Champions besteht vielmehr aus graduellen Verbesserungen als aus bahnbrechenden Innovationen. Ein Beispiel: Die Firma Stihl, Weltmarktführer bei Ketten- und Motorsägen. Stihl hat in einem Jahr 42 Innovationen in einer Kettensäge verbaut. Keine dieser Verbesserungen hat es zu einer Schlagzeile gebracht, doch diese kleinen Innovationen führen in der Summe zu der allgemeinen Überlegenheit der Hidden Champions.

Herausforderung Digitalisierung

Oftmals und teils zurecht wird Deutschland als Digitalisierungsstandort in die Kritik genommen. Und tatsächlich, im B2C-Bereich, bei Digitalisierung und Durchbruchsinnovationen, liegen Amerikaner und Chinesen weit vorne. Differenzierter muss der B2B-Bereich betrachtet werden: Hier gibt es viele Weltmarktführer, die keiner sieht, beispielsweise im Bereich des autonomen Fahrens. Seit 2010 sind weltweit 7.313 Patente für autonomes Fahren registriert worden. Davon kommen 48,8 Prozent aus Deutschland, nicht etwa aus den USA von Google, Tesla und Co. Dass deutsche Technologie in dem Bereich den Ton angibt, ist allgemein nicht bekannt. Ein paar andere Beispiele für das Digitalisierungspotenzial hierzulande: Ein von der TU München entwickeltes System, welches in 3 Milliarden Smartphones steckt oder das beste KI-Übersetzungsprogramm der Welt, DeepL.com, welches aus Köln kommt. Und so verhält es sich oftmals bei den Hidden Champions.