Nachhaltigkeit in 2021

Welche Veränderungen erwarten Gesellschaft und Finanzdienstleister

Neues Jahr, neues Glück, so sagt man, und auch wir bei avesco schauen gespannt auf 2021. Was wird das Jahr Neues für uns bereithalten, worauf sollten wir uns einstellen, insbesondere im Nachhaltigkeitsbereich? In diesem Blogpost stellen wir eine Auswahl vor.

 

Finanzen

Das Jahr 2020 ist durchaus als ereignisreich zu bezeichnen: Der Einsturz des Marktgeschehens im Frühjahr, die schrittweise Erholung gen Herbst, das erneute Tief verbunden mit der US-Präsidentschaftswahl und dem langen Warten auf einen Corona-Impfstoff – hinter uns liegen turbulente Zeiten. Doch wie geht es weiter?

Die gute Nachricht: Nun soll es aber wieder bergauf gehen. Laut Michael Reuss, Vermögensverwalter von Huber, Reuss & Kollegen, sind „die Weichen gestellt, [damit] wir 2021 mit einem positiven Jahr an den Börsen rechnen können. Die Regierungen und Notenbanken haben gigantische geld- und fiskalpolitische Hilfsprogramme gestartet, die Märkte werden mit Liquidität geflutet, die nach Anlagemöglichkeiten sucht“ (€uro am Sonntag, Ausgabe 53 2020, S. 13).
Und Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, ergänzt mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im vergangenen November: „Interessant sind […] nachhaltige Aktien. US-Präsident Biden will die US-Wirtschaft ökologisch umbauen und so Arbeitsplätze schaffen […], auch im Umweltschutz wird es mit Biden einen Schub geben ((€uro am Sonntag, Ausgabe 53 2020, S. 13ff).

 

Und in puncto Nachhaltigkeit verspricht 2021 mit Blick auf die Finanzbranche besonders spannend zu werden:
Mit dem 2019 gegründeten Sustainable Finance-Beirat (SFB) will die Bundesregierung das Ziel erreichen, Deutschland zum Vorreiter in Sachen Sustainable Finance zu machen (vgl. hier). Der Beirat will dazu beitragen, dass künftig interessierten BürgerInnen in jeder Produktkategorie, seien es Versicherungs-, Bank- oder Investmentprodukte, entsprechende nachhaltige Produkte angeboten werden können.
Das dies begrüßenswert ist, wird auch mit Blick auf den Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums der EU-Kommission klar. Zu Beginn des letzten Jahres vielerorts noch kaum beachtet, nimmt z.B. die Offenlegungsverordnung ab diesem März die Finanzakteure in die Pflicht, Gelder vermehrt in nachhaltige Anlagemöglichkeiten zu lenken. Dies soll z.B. über eine verpflichtende Abfrage in Beratungsgesprächen geregelt werden, ob KundInnen ihre Gelder nachhaltig investieren wollen. Verkaufsprospekte von Investmentfonds werden weiterhin dazu verpflichtet, Informationen zur Nachhaltigkeit aufzuführen. Weitere Vorgaben werden folgen, z.B. auch aus der Taxonomie-Verordnung; weswegen Unternehmen geraten wird, die strategischen und organisatorischen Weichen für das Thema Nachhaltigkeit zu stellen (vgl. hier).

 

Kleines aber feines Thema am Rande: Vielerorts fällt heute der Begriff der UN-PRI immer häufiger und viele Asset Manager fragen sich, was sich hinter diesem Investitionsleitfaden verbirgt. Wozu sich die Unterzeichner der Initiative verpflichten und weitere Fragen beantwortet der Podcast vom FondsScout. Dieser führte ein Interview mit dem Mitbegründer des Leitfadens, George Kell.

Weitere nachhaltige Entwicklungen des Jahres

Auch sonst erwarten uns einige nachhaltige Neuerungen: Zum einen wird die Bundesregierung ihre neue Nachhaltigkeitsstrategie festlegen, noch innerhalb des ersten Halbjahres. Diese soll sich mit Themen wie der Agar- und Energiewende beschäftigen, dem Klimaschutz, Kreislaufwirtschaften aber auch sozialen Themen wie menschliches Wohlbefinden und Gerechtigkeit (vgl. hier). Ganz konkret werden bestimmte Artikel aus Einwegplastik ab dem 03. Juli verboten. Dazu zählen: Wattestäbchen, Strohhalme, Einkaufstüten, Ballonstäbchen oder Einweg-Essgeschirr. Auch die häufig genutzten Coffee To Go-Becher gehören bald der Vergangenheit an. Die Regelung gilt EU-weit und hat zum Ziel, ein Umdenken in der Bevölkerung hin zu Mehrwegprodukten zu fördern. Außerdem wird gehofft, so den Plastikmüll innerhalb der Weltmeere zu verringern. Für das Beispiel der Plastiktüte veröffentlichte das Unternehmen information is beautiful eine Infografik, nach welcher bereits 100 Staaten Plastiktüten vollständig oder teilweise verboten haben:


Bildquelle

Rund um das Thema CO2 gab es zuletzt gute Neuigkeiten: Im Vergleich zu 2019 wurden im Jahr 2020 2,6 Milliarden Tonnen weniger CO2 ausgestoßen. Mit dem Erlass des neuen CO2-Preises können hier weitere nachhaltige Entwicklungen erwartet werden: Das Gas und insbesondere Öl in den kommenden Jahren immer höher versteuert werden, soll als Anreiz für BürgerInnen und Unternehmen wirken, klimafreundlichere Alternativen zu wählen. Die Einnahmen sollen der Gesellschaft aber wieder zugutekommen, denn diese werden zur Senkung der EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom verwendet (vgl. hier).
Stichwort Strom: Laut Internationaler Energieagentur (IEA) ist Solarenergie mittlerweile weltweit die günstigste Art, um Strom zu erzeugen – vor Öl, Gas, Atomstrom und Kohle (vgl. hier).

 

 

Ganz im Sinne des Mottos „Reduce – Reuse – Recycle“ arbeitet und diskutiert das Europaparlament derzeit an einer Richtlinie, die den BürgerInnen der EU künftig ein Recht auf Reparaturen geben soll (vgl. hier). Noch ist nichts in Stein gemeißelt, vielmehr stehen unterschiedliche Ideen im Raum: Einheitliche Komponenten für alle Hersteller von ähnlichen Produkten, die Sicherstellung der Wiederverwendbarkeit wertvoller Rohstoffe der Produkte, höhere Langlebigkeit. Wir dürfen gespannt bleiben, was hier noch auf uns zukommt.

Zuletzt noch ein Blick in das avesco Team: Auch wir haben uns wieder einiges vorgenommen, um im neuen Jahr ein paar nachhaltige Impulse zu setzen: Den digitalen CO2-Fußabdruck senken, ein soziales oder ökologisches Ehrenamt suchen, mitmachen beim Veganuary oder häufiger das Fahrrad nutzen.

Autorin: Elisabeth Schaper