
avesco im Gespräch: Pulitzer Preisträger Liaquat Ahamed über die Bedeutung des Goldes in der Wirtschaft heute und im vorigen Jahrhundert.
Müsste Ihr Buch über die Notenbanker der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts „Die Herren des Geldes“ nicht besser „Die Herren des Goldes“ heißen?
Im englischen heißt es ja breiter „Lord of Finance“. Aber Sie haben Recht: Ein Großteil der Zeit damaliger Notenbanker bestand in der Sorge um die Sicherung der eigenen Goldreserven.
Wer hatte denn damals am meisten?
Mehr als die Hälfte der weltweiten Reserven hatten die USA. In Europa hatten vor allem England und Frankreich nennenswerte Bestände.
Warum war Gold so wichtig?
Weil alle wichtigen Währungen an Gold geknüpft waren. Die Goldreserven waren so etwas wie der objektive Messer für die internationale Wettbewerbsfähigkeit und das Vertrauen der Anleger. Gold bestimmte die Papiergeldmenge, also die Preise und die Höhe der Zinsen, damit etwa die Investitionen.
Könnte Gold wieder so eine Bedeutung wie im vorigen Jahrhundert bekommen?
Dann wäre in den vergangenen Jahren sehr viel davon unterwegs gewesen. Die Chinesen hätten Gold im Wert von vielleicht 2,5 Billionen Dollar angehäuft. Wo hätte das herkommen sollen?
Die Notenbanken haben doch noch eine Menge Gold.
In den letzten zehn Jahren ist die Nachfrage nach Währungsreserven jedes Jahr um 15 Prozent angewachsen. Das könnte rein technisch nur mit einem immer weiter steigenden Goldpreis geregelt werden. Der müsste dann aktuell bei knapp unter 10.000 Dollar pro Unze liegen. Schlimmer als das aber wären die erratischen Schwankungen, die angesichts der internationalen Handelsverflechtung ein Goldstandard heute auslösen würde.
Hätten sich solche immensen Ungleichgewichte wie zwischen den USA und China überhaupt aufbauen können?
Die Frage ist, was der Preis gewesen wäre, um solche Ungleichgewichte zu verhindern.
Die Notenbanken müssten konsequent etwa gegen den Abzug der Reserven vorgehen.
Konkret heißt das, dass die USA trotz hoher Arbeitslosigkeit die Zinsen anheben müsste, um wenigstens die letzten Reste ihrer Goldreserven zu retten. Das wäre die Wiederholung der Krise in den zwanziger Jahren. Oder es würde einen Abwertungswettlauf zwischen den Währungen geben. Daraus würde Inflation erwachsen. Nein, wir können froh sein, den Goldstandard überwunden zu haben.
Warum hat Gold denn trotzdem einen so hohen Status?
Es bietet Privaten einen ultimativen Katastrophenschutz. Das macht es wertvoll.
Haben Sie privat Gold?
Ich hab noch nie Gold gekauft und ich sehe auch jetzt keinen Anlass, etwas zu kaufen.
Liaquat Ahamed ist in Kenia als Sohn indischer Eltern geboren. Er hat jahrelang für die Weltbank in Washington gearbeitet und berät aktuell mehrere Hedge Fonds und Beteiligungsgesellschaften. In seinem mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten Buch „Lord of Finance“, das gerade in Deutsch (Die Herren des Geldes, Finanzbuchverlag 2010) erschienen ist, erzählt er die Finanzgeschichte der zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Diese vom Goldstandard geprägte Ära erratischer Schwankungen der Finanzmärkte vergleichen viele Experten mit der heutigen Zeit.