Jakob und Ole von Uexküll sprechen auf dem 4. avesco Expert Talk

Der Possibilist

„Für alle großen Probleme gibt es Lösungen“, sagt Jakob von Uexküll, Stifter des alternativen Nobelpreises beim 4. Experttalk in den Räumen der avesco Bilbliothek. „Aber ich musste feststellen“, so der Deutsch-Schwede weiter, „das viele dieser Lösungen nicht ernst genommen wurden."

Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis trugen Jakob und sein Neffe Ole von Uexküll einer erlesenen Gästeschar beim Experttalk vor. „Ich bin Schwede“, sagte der ehemalige Briefmarkenhändler, „ und ich dachte mit einem Nobelpreis wird man ernst genommen." Er bot der Nobelpreisstiftung an, einen Preis für Umwelt und Armutsbekämpfung zu stiften. Sein Vorschlag wurde abgelehnt und von Uexküll verkaufte seine wertvolle Briefmarkensammlung um den „Right Livelihood Award“ – den so genannten alternativen Nobelpreis - zu gründen.

Seit 1980 gab es 89 Preisträger des „Alternativen Nobelpreis“, darunter zum Beispiel der ägyptische Architekt Hassan Fathy, der traditionelle Lehmgebäude propagierte, der Amerikaner Stephen Gaskin, der Begründer des ersten öko-Dorfes, oder der Australische Photovoltaik Experte Martin Green.

„Jeder Mensch kann jeden für einen alternativen Nobelpreis vorschlagen außer sich selbst“, beschreibt Jakob von Uexküll die Regeln nach denen der alternative Nobelpreis vergeben wird. „Wir haben keinen Filter und denken nicht in Kategorien“, sagt von Uexküll, „dieser Preis will Menschen auszeichnen, die an Widerständen wachsen, anstatt zu verzagen und Antworten auf drängende Fragen suchen. Menschen, die in keine Kategorie passen.“ Zum Beispiel zeichnete die Stiftung das Poesie Festival in Medelin aus. Für die Preisträger bedeutet die Auszeichnung neben dem Geld in den meisten Fällen auch Sicherheit. Viele Preisträger blieben dank ihrer plötzlichen Prominenz von Haft, Folter oder Tod verschont. Sie profitieren aber auch von der Aufmerksamkeit, wenn lokale Zeitungen plötzlich über regionale Projekte berichten, die bis dato im besten Falle belächelt wurden.

Ole von Uexküll beschreibt in seinem Vortrag die umfangreichen Recherchen die jedem Preis vorangehen: „Jede Initiative in der engeren Auswahl besuchen wir persönlich und stellen einen 350-seitigen Bericht der anschließend der Jury übergeben wird. Noch nie in der Geschichte des alternativen Nobelpreises, wurde ein Preis zu unrecht übergeben.“ Diese Tatsache ist mit Sicherheit den minutiösen Recherchen der Stiftung geschuldet, die sogar von einem Filmteam der Deutschen Welle begleitet wurden (zum Film).

Am Ende des Abends bietet Jakob von Uexküll den Gästen noch einen Blick auf seine persönliche Zukunftsversion: Einen Weltzukunftsrat, bestehend aus den „Best Minds on the Planet“. „Ich habe viele Visionen“, sagt von Uexküll, „aber die wichtigste ist die Wiederherstellung der Vielfalt, gegen die globale Monokultur und die mentale Monokultur."

Divers und gegensätzlich diskutierten im Anschluss an die Vorträge bei kleinen Häppchen und Champagner die Gäste mit Ole und Jakob von Uexküll über den ökoindustriellen Umbau der Gesellschaft und persönliches Engagement noch bis spät in die Nacht. Und wenn kluge Köpfe etwas bewegen können, dann ist gestern am Gendarmenmarkt die Welt ein bisschen besser geworden.

Wenn auch Sie Spenden möchten, können Sie sich über www.rightlivelihood.org informieren.

Die Aufzeichnung des Abends können Sie sich in unserer Mediathek anssehen.

Ein ausführlicher Artikel über die Aktiviäten von Jakob von Uexküll und seinen Thesen, erscheint im nächsten avesco Transparent. Melden Sie sich an oder schreiben Sie und eine E-Mail an transparent(at)avesco.de


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