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»Wenn man das Richtige tut folgt das Geld«

Der Wirtschaftsingenieur und Friedensaktivist Dr. Helmut Riethmüller gründete 1981 aus Mangel an Fachkräften für seine boomenden Bioläden ein florierendes Bildungsinstitut für die berufliche Bildung.

Mitten in Berlin, unweit des prachtvollen Gendarmenmarktes, zwischen arrivierten Galerien und experimenteller Aktionskunst, liegt der spröde Büroblock des Forum Berufsbildung e.V. Dorthin führt der Weg vieler Arbeitssuchender vom gegenüberliegenden Arbeitsamt Mitte, auf der Suche nach einer beruflichen Zukunft. Aber auch 16-jährige Schulabbrecher, Sinnsucher Mitte Vierzig oder Mütter auf der Suche  nach dem beruflichen Anschluss finden im Forum Beratung, Ansprache und Bildungsangebote für ihre individuellen Bedürfnisse.

Das Besondere an den Bildungsangeboten des FBB ist die Haltung des Gründers Helmut Riethmüller, dessen These ›Erfolg und Erfüllung durch Selbstverwirklichung das Unternehmen durchdringt und von der wachsenden Konkurrenz abhebt.‹ »Wir haben die Fähigkeit, auf Trends und Bedürfnisse zu reagieren weil unser Blick unverstellt vom Gewinndenken ist«, sagt Riethmüller stolz. »Daher schien auch die Vereinsgründung des FBB seinerzeit als die angemessene Geschäftsform«.
»Das Geld folgt dem richtigen Tun, wie man am Beispiel Kleinkredite sieht«, erklärt der charismatische 63jährige. »Lange wollte sich keine Bank mit Kleinkrediten abgeben. Zu arbeitsaufwändig, zu risikoreich, zu unwirtschaftlich. Heute bekommen die Banken feuchte Augen, wenn sie von 20 % Zinsen hören. Solche Unternehmungen macht man nur aus Intuition und mit einem klaren Blick auf das Notwenige statt auf den Gewinn«, sagt Riethmüller. Die Bestätigung für sein Tun, erfährt man laut Riethmüller, wenn andere das eigene Handeln von sich aus mit eigenen Vorhaben und Ideen ergänzen und unterstützen.

So spricht einer der sich frisch promoviert der Friedensbewegung anschloss und in Belfast eine ökologische Jugendfarm gründete. Dass Riethmüller so unbefangen von Werten sprechen kann, ohne als Sozialromantiker an unternehmerischer Glaubwürdigkeit zu verlieren, liegt an seinem betriebswirtschaftlichen Know-how. Beeindruckt von der Ökoszene in Belfast, gründete Riethmüller erste Bioläden in Berlin. Dort mangelte es an Fachkräften, die sowohl über ökologisches als auch über ökonomisches Wissen verfügten. Überzeugt von der Richtigkeit seines Tuns, organisierte Riethmüller Kurse über alternative Betriebswirtschaft an der Volkshochschule Kreuzberg. Zwar hatten im Berlin der 80er zahlreiche Menschen alternative Unternehmen gegründet, verfügten aber über keinerlei wirtschaftlichen Background. Helmut Riethmüller unterrichtete vor überfüllten Volkshochschulhörsälen wie ein Kollektiv betriebswirtschaftlich zu führen ist, wie Unternehmungen demokratisch, ökologisch, umweltschonend zu leiten sind und wie nicht Gewinn orientiertes Wirtschaften funktioniert.

Riethmüller führte den Trend soziales Wirtschaften weiter und gab in der Küche seines Bioladens erste Kurse. Was mit einer Fortbildung zur Naturkostfachkraft begann, findet heute auf 7.000 Quadratmeter mit derzeit 2.200 Teilnehmern statt. Tendenz steigend.

Der Bildungsbedarf geht in Deutschland noch lange nicht aus. Auch wenn einige Branchen durch Kettenbildung mit weniger Personal auskommen, wächst der Bildungsbedarf stetig. So ist das lebenslange Lernen heute ebenso eine Selbstverständlichkeit, wie das Auffüllen von Wissenslücken oder die Umschulung in der Mitte des Lebens. Lehrgänge wie der Fernlehrgang für die ›3te Lebensphase‹ zu Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, gesunde Ernährung, Stressbewältigung, aus dem Haus Riethmüller, sind in der Mittelschicht Dauerbrenner.

»Ich verstehe mich als Trendscout für Produkte, aber vor allem für Hüllen, für Gebäude, in denen die Produktverwirklichung stattfinden kann. Räume sind Chitinpanzer für den Betrieb, in dem sich die Dinge verwirklichen können. Zwar geht das im Internet auch«, schmunzelt Riethmüller, »aber ich möchte Lern- und Erlebnissorte wie das Ökologische Zentrum Gatow oder das Kreativhaus an der Friedrichstraße zur neuen Kunsthalle entwickeln, um die in Berlin gerade politisch gerungen wird. « Derzeit entwickelt Riethmüller auch ›Bildungsräume‹ in den umkämpften neuen Märkten Indien und China. Dass er dort die Zuschläge erhält, führt Riethmüller auch darauf zurück, dass seine Projekte nicht dem Gewinndenken unterliegen, sondern Sinn und Nutzen in den Vordergrund stellen.
Wer Unternehmerschelte von Riethmüller erwartet, liegt falsch. »Es ist Mythos«, sagt er, »dass alle Existenzgründer nur auf den Gewinn sehen. Die meisten machen das was sie machen aus persönlicher Überzeugung.«

Nur um die Studenten sorgt sich Riethmüller. »Die meinen wirklich, dass das langfristige Ziel eines Betriebes die Gewinnmaximierung ist. Diese Generation ist hochgradig gefährdet. Da kann man nur mit Bildung dagegen wirken.«

(Christiane Meyer-Ricks)