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Wer war der erste Afrodeutsche in Berlin?

Ein kleiner nubischer Junge wurde Vizekönig Prinz Albrecht von Preußen zum Geschenk gemacht, als dieser im März 1843 in der Kairoer Zitadelle von Muhammad Ali Pascha mit allen Ehren empfangen wurde. Das osmanische Vizekönigreich Ägypten stand zu dieser Zeit unter Preußischer Herrschaft und das Verschenken von ›Mohrenkindern‹ war seinerzeit eine respektvolle Geste gegenüber den fernen Regenten.

Prinz Albrecht nannte den Jungen Sabac el Cher, was soviel wie ›Guten Morgen‹ heißt und nahm ihn mit auf eine archäologische Entdeckungsreise, die ihn von Kairo nach Assuan, weiter nach Abu Simbel zu den Pyramiden, dann nach Sues, Gaza, Ramala bis Jerusalem führte. Über Haifa und Konstantinopel gelangte die Delegation nach Athen und Wien, um dann mit der gesamten Entourage im August 1843 wieder in Berlin einzutreffen. Sabac, der aus einer Scheichdynastie stammte, gehörte von nun an zum Prinzen-Hofstaat und erhielt ab seinem siebenten Lebensjahr Unterricht in deutscher Sprache und christlicher Religion. Nach preußischer Manier galten Strenge und Disziplin als Maßstab für seine Privatlehrer bei Hofe.

Die erste Auszeichnung, eine Gedenkmünze, erhielt der junge ›Kammermohr‹ 1848, als er gemeinsam mit seinen weißhäutigen Kollegen, das Prinz-Albrecht-Palais vor den Angriffen während der Märzrevolution verteidigt hatte. Schon damals wurde er voll akzeptiert und es heißt, dass es keine fremdenfeindlichen Ressentiments gegeben habe. Weshalb beschäftigt mich diese Frage? In Berlins damaliger und heutiger Mitte ist afrikanische Geschichte geschrieben worden. Ob es die ›langen Kerls‹ im Musikcorps Friedrich Wilhelms I waren oder der ›Morgengruß‹ aus Kairo, alle samt haben dazu beigetragen, dass freiheitliches Denken und gegenseitige Achtung dem Fremdländischen gegenüber, im freundschaftlichen Miteinander gelebt werden können. Kann es ein Zufall sein, dass sich genau dieses Leben in und um die Mohrenstraße herum abspielte? In der Jerusalemkirche, Berlin-Friedrichstadt erhielt Sabac el Cher die Weihen der protestantischen Taufe. Von nun an trug er auch noch die Namen August und Albrecht. Im Prinz-Albrecht-Palais oblag ihm nach Kampfeinsätzen in Frankreich, dem Kaukasus und Dänemark, die Silberkammer.
Am 25.Oktober 1882 erhielt er, der alle deutschen Einigungskriege miterlebt hatte, die Naturalisationsurkunde. Damit war er nun rechtlich allen Preußen gleichgestellt. Die Geschichte des ersten Afrodeutschen in Berlin ist geschrieben. Freiheit und Gleichberechtigung wurden hier gelebt, was sich dann später umkehren sollte...

Im Jahr 1881 zogen auch Hersteller feinster Pralinen, Fondants und Fruchtpasteten in die Mohrenstraße ein. Jahre später firmierten diese dann unter dem uns allen bekannten Markennamen ›Sarotti Mohr‹. Die drei kleinen, in Samt und Seide gekleideten Mohren sind 95 % aller Deutschen bekannt.

(Elke Kerkhoff)