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Viele, viele bunte Smarties

Als wir vor einiger Zeit ein Familienfest feierten, kam unter anderem auch das Thema Kinderkrankheiten auf. Meine Mutter erzählte dazu schmunzelnd folgendes: Wenn wir als kleine Kinder ›Schul-, Bauch-, Bein-Kopfweh‹ hatten, zauberte sie immer eine kleine Dose ›Wunderpillen‹ aus ihrem Geheimschrank. Diese ›Smarties‹ sollten wir dann langsam lutschen. Und siehe da, unsere ›Schmerzen‹ verschwanden. Als wir Windpocken hatten und über den Juckreiz jammerten, bekamen wir als Einschlafhilfe ein Glas stark verdünnte Cola. Wenn wir dann ganz still liegen bleiben würden, würde dieser Zaubertrank den Juckreiz nehmen und wir würden ganz schnell einschlafen. Und wirklich, es funktionierte!

Für mich waren diese Geschichten meiner Mutter ein guter Anlass, um mich mal etwas genauer mit dem Thema Placebo zu beschäftigen.

Laut Wikipedia kommt Placebo aus dem Lateinischen (lat. »ich werde gefallen«) und ist im engeren Sinn z.B. eine Tablette, die keinen Arzneistoff enthält und so auch keine pharmakologische Wirkung haben kann. Placebos bestehen lediglich aus Zucker und Stärke und ggfl. Hilfsstoffen wie Farbstoffe. Aber warum können Placebos eine Wirkung erzielen? Eine Bekannte meiner Mutter, Frau Dr. Barbara Pannhorst, erklärte mir: »Die Wirkung des Placebos beruht auf einer Selbsttäuschung, dadurch werden körpereigene Abwehrkräfte mobilisiert. Der Mensch glaubt sozusagen an die Heilung. Eine besondere Wirkung zeigt diese Therapie bei Kindern.« Sehr interessant fand ich diese Information. Bei uns Kindern wurde ja damals das gleiche Ergebnis erzielt. Aber warum sind gerade Kinder so empfänglich dafür? »Kinder reagieren sehr stark auf ihre Bezugsperson, die Ihnen suggeriert, dass das Mittel wirkt.

Eltern zum Beispiel vermitteln mit ihrem Auftreten und dem Glauben daran einen positiven Effekt, der durch viel Zuwendung noch verstärkt wird. Man muss auf die Therapie vertrauen und daran glauben, dass sie Wirkung zeigt«, antwortete Frau Dr. Pannhorst auf meine Frage.

Diesen Effekt nutzt man auch in der Forschung, um die Wirkungsweise von neuen Medikamenten zu testen. Eine Bekannte, die unter starken Einschlafstörungen leidet, nimmt gerade an einer Schlafstudie teil. In dieser Studie wird neben dem Schlafrhythmus auch ein neues Schlafmittel getestet. Dazu wird in einer Doppelblindstudie einem Teil der Probanden das richtige Medikament verabreicht und eine Kontrollgruppe bekommt das Placebopräparat, welches optisch und geschmacklich identisch ist. Interessant ist, dass weder der Arzt noch die Probanden während der Studie wissen, welches Präparat sie bekommen. So ist eine Beeinflussung der Ergebnisse ausgeschlossen. Obwohl die Studie noch nicht abgeschlossen ist, scheint das Medikament bei ihr zu wirken. Ob sie das richtige Medikament bekommt oder nur ein Placebo, lässt sich aus heutiger Sicht noch nicht sagen. Auf jeden Fall bin ich gespannt, welches Ergebnis dabei herauskommt.

Ob ein Placebo suggestiv wirkt, durch Konditionierung oder durch die kräftigende Wirkung der ausgeschütteten Endorphine, auch Glückshormone genannt, weiß ich nicht. Nicht alle Menschen sind gleich beeinflussbar und jeder reagiert anders. Bei dem einem reicht ein Smartie, bei dem anderen muss es das Schmerzmittel sein. Aber dennoch, bei uns hat es jedenfalls funktioniert. Nicht umsonst heißt es ja ›Der Glaube versetzt Berge‹. 

(Miriam Richter)