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BIONADE

Kaum war die BioFach eröffnet, musste das Team vom BIONADE-Stand umplanen. Litschi und Kräuter wieder raus aus dem Kühlschrank, dafür mehr von der neuen Sorte rein. Die Rhöner Kultbrauerei stellt auf der ›Weltmesse für Bioprodukte‹ in Nürnberg im Februar 2009 ihren neuen Geschmack vor - und alle wollen probieren.

Die Quitte macht das BIONADE Quartett - Ingwer-Orange, Holunder, Litschi und Kräuter - zum Quintett. Das Etikett gelborange, die Note feinherb-fruchtig, wie ein Erfrischungsgetränk aus Ostheim eben schmecken muss. Eine Frucht, die vor der Haustür wächst, sollte es sein. Die Brauer wälzten alte Kochbücher aus der Rhön. Und kamen auf die Quitte. Traditionsreich, doch mit exotischem Ton. Fast vergessen, doch ergiebig. Schon nach zwei Jahren hängen Früchte am Baum. Ein Jahr lang testeten BIONADE-Chef Peter Kowalsky und seine Familie. Experimentierten, verwarfen, entwickel-ten. Pünktlich zur 20. Bio-Fachmesse ist das Quintett komplett - am tiefblauen Stand von Kowalsky & Co. drängen sich die Messebesucher. Langjährige Litschi-Liebhaber gehen fremd, die Quitte ist jetzt schon der Renner.

»Ich glaube BIONADE ist was, auf das die Leute gewartet haben«, sagt Peter Kowalsky. Die BIONADE Erfolgsgeschichte beginnt in der bayrischen Rhön, in der vor dem Konkurs stehenden Privatbrauerei Peter. »Als wir nur die Brauerei hatten, haben wir schwierige Jahre hinter uns gebracht. Wir mussten aktiv werden, um die nächste Generation zu ernähren«, fährt Kowalsky fort. 1995 erfindet Diplom-Braumeister Dieter Leipold nach jahrelanger Forschungsarbeit ein Erfrischungsgetränk, das durch Fermentation (Vergärung) hergestellt wird, ohne dabei Alkohol zu produzieren. Dieses mittlerweile patentierte Verfahren erlaubt es, den bei der Fermentierung entstehenden Zucker in Gluconsäure umzuwandeln anstatt in Alkohol. Abgeschaut hat er diesen Vorgang bei der Honigproduktion der Bienen. Denn der Honig ist das einzige Naturprodukt, bei dem kein Alkohol entsteht und welches nicht verdirbt.

»Die Schwierigkeit war, Mikroorganismen zu finden, die die Biene kopieren und zu erfahren, unter welchen Bedingungen diese optimal arbeiten«, sagt Dieter Leipold. »Ich habe zunächst einmal alles in der Wohnung gemacht«, erzählt Dieter Leipold weiter, »in der Küche wurde experimentiert, die Lagerung war das Wohnzimmer, im Bad, da haben wir vergoren. Und dann habe ich das Labor gebaut, angrenzend an das Schlafzimmer… sehr zur Freude meiner Frau«, fügt er schmunzelnd hinzu. Sie war die Einzige, die in dieser schwierigen Phase an ihn geglaubt, von seiner Idee überzeugt war und ihn unterstützt hat. Selbst seine alten Studienkollegen hielten sein Vorhaben für unmöglich. »Für die Menschen in der Umgebung war meine Arbeit sowieso zu abstrakt gewesen«, sagt Leipold. Schon in den 80er Jahren war es seine Vision gewesen, ein Volksgetränk zu schaffen, welches ganz aus natürlichen Inhaltsstoffen besteht.

Mit der Entdeckung der Rezeptur wurde die BIO-NADE International GmbH gegründet, welche die Stiefsöhne Peter und Stephan Kowalsky führen. Anfangs hatten sie große Schwierigkeiten, überhaupt auf den Markt zu kommen, da man normalerweise mehrere Millionen für eine solche Markteinführung benötigt. »Die größte Schwierigkeit ist, dass Sie eine Betriebsgröße haben, in der Sie nicht richtig ernst genommen werden«, erklärt Peter Kowalsky, »auch nicht schick genug sind, dass sich ein Politiker mit Ihnen schmückt. Wir als Unternehmer mit nur einer Brauerei haben um den Schornstein Bier verkauft und wussten nicht, was es heißt, eine internationale Marke zu kreieren«. Da die Familie kurz vor dem Bankrott stand, versuchten sie, Lizenzen zu verkaufen, doch niemand war daran interessiert. Dann nahm jedoch ein Großgetränkehändler aus Hamburg das einzigartige innovative Getränk aus der Rhön in sein Sortiment auf und es entwickelte sich zum absoluten Kultgetränk in Hamburg.

Nach und nach stieg dann die Nachfrage. Gestärkt durch diverse Artikel in Zeitschriften, wie dem ›manager magazin‹ wurde die BIONADE 2006 in das Sortiment der Deutschen Bahn aufgenommen, wie auch 2007 ins McCafé. Ein Übernahmeangebot von Coca-Cola schlug das mehrfach preisgekrönte Unternehmen jedoch konsequent aus. Die Entwicklung der GmbH ist unglaublich; 2002 wurden noch 2 Millionen Flaschen verkauft, und 2008 waren es schon über 200 Millionen Flaschen. Mit einem jährlichem Wachstum von 300 – 400 % sind die Inhaber, ausgezeichnet mit dem Titel des ›Ökomanager des Jahres 2007‹, von morgens bis abends am Schaffen.

Nicht nur wegen seines Geschmacks ist das Getränk so beliebt, auch die Idee, die es vertritt, trifft genau den Zeitgeist der Gesellschaft. Denn in die BIONADE kommen nur natürliche und nach deutschem Reinheitsgebot geprüfte Zutaten. ›Offizielles Getränk einer besseren Welt‹ heißt ein Slogan der Kampagne, womit darauf hingewiesen werden soll, dass man mit kleinen Gesten schon einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten kann. Zum Beispiel werden die Zutaten für das Erfrischungsgetränk so viel es geht in Deutschland und der strukturschwachen Region Rhön angebaut, so dass auch die Umgebung und die Bauern von dem BIONADE-Boom profitieren.

Das Motto der Kowalksy Brüder umschreibt Peter Kowalsky so: »Wir versuchen, verantwortungsbewusst umzugehen, auch mit den Mitarbeitern. Ein Unternehmen ist mehr als der oberste Kopf, es muss auch hinten alles stimmen. Ich glaube, dass es möglich ist, mit Anstand Geld zu verdienen. Mit Anstand und Respekt gegenüber der Natur, der Umwelt aber auch gegenüber den Mitarbeitern.« Dass diese Worte nicht leere Worthülsen sind, zeigen die zahlreichen Projekte, die die BIONADE GmbH ins Leben gerufen bzw. an der sie sich beteiligt hat.

Zum Beispiel das Projekt ›Trinkwasserwälder‹. Das Unternehmen kümmert sich um die nachhaltige Regeneration der Ressource Trinkwasser. Denn Trinkwasser ist der Hauptbestandteil von BIONADE. BIONADE ist deshalb mit Trinkwasserwald e.V. eine Partnerschaft eingegangen und wird in den nächsten Jahren in ganz Deutschland neue ›Trinkwasserwälder‹ schaffen, die nachhaltig zusätzliches Grund- bzw. Trinkwasser generieren. Diese Aktion kompensiert den gesamten Trinkwasserverbrauch, der für die Jahresfüllmenge von BIONADE benötigt wird! Im April 2008 wurde das ehrgeizige Projekt gemeinsam mit 150 Berliner Schulkindern mit dem ersten Spatenstich in Berlin-Köpenick gestartet und im November in Dorsten/NRW fortgesetzt. Im Frühjahr und Herbst 2009 werden die nächsten ›Trinkwasserwälder‹ gepflanzt.

Das Märchen soll fortgeführt werden, auch die USA und Kanada soll das 3. größte Getränk im Limonadeabsatzmarkt (nach Fanta und Sprite) jetzt erobern. Wer weiß wie sich das Getränk entwickelt, vielleicht ist es ja die Cola des 21. Jahrhunderts? Das Potential hätte es auf jeden Fall…

(Kristin Hartmann)