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Schutzwälle und ihr Fall

Im frühen 17. Jahrhundert schützten acht Meter hohe Schutzwälle den Hausvogteiplatz vor den Seuchen und Verwüstungen des 30jährigen Krieges. Hinter tiefen Gräben und hohen Mauern verbarrikadiert, wehrten die Bewohner Berlins und des benachbarten Cöllns die Angriffe der Schweden ab.

Auch der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm I, verbrachte einen Teil seiner Jugend in dieser Bastion. Die Bevölkerung lebte lange Jahre unter ärmlichsten Verhältnissen, auf modrigem Untergrund und fern des Sonnenlichtes bis die Liebe zur Freiheit dominierte. Nach und nach befreite sich die eingeschlossene Bevölkerung und riss die Abschottung zur Außenwelt ein und begann mit dem Wiederaufbau des Platzes.

Der „Soldatenkönig“, Friedrich Wilhelm I, verkaufte im Jahre 1721 alle Übersee-Besitzungen, nachdem der internationale Sklavenhandel nicht den gewünschten Profit einbrachte, an die Niederländisch-Westindische Kompanie.

Das Ende des defizitären Kolonialabenteuers sollte für den Liebhaber der Händelschen Musik, Friedrich Wilhelm I, noch einen freudigen Aspekt haben. Nicht nur, dass er drastische Sparmaßnahmen durch den Verkauf der Kolonien vornehmen konnte, so gelang es ihm mit der Kaufsumme, die Überstellung von 12 hochgewachsenen „Schwarzen Männern“, zu verhandeln. Sie sollten mit wohlbreiten Goldketten geschmückt sein.

Menschen aus anderen Herren Ländern bei Hofe zu haben, galt als Statussymbol. Wenngleich der Preuße zu keinerlei Prunk und Pomp neigte, hielt er sich ein Heeres-Musikkorps. In ebendieses wurden die Afrikaner eingegliedert und führten ein bevorzugtes Leben. Wie bei seinen „langen Jungs“ legte der König besonderes Augenmerk auf prächtige Uniformen. Besetzt mit güldenen Schleifen, Silberfransen und immer aus feinstem Tuch gefertigt, sollten sie sein. Auf dem Hausvogteiplatz, entstand eine Militärakademie, die später 30 schwarze Musiker beheimatete. Die Bewunderung und die Anmut dieser Männer aus der fernen Welt beflügelten den König, eine Straße nach ihnen zu benennen. Seit jeher gibt es die Mohrenstraße, um deren Geschichte sich viele fröhliche, kuriose und auch sehr traurige Begebenheiten ranken.

(Elke Kerkhoff)