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Ein Interview mit dem Biografiefilmer Michael Osterhoff
Herr Osterhoff, Sie sind Historiker, Dramaturg, Schnitttechniker und persönlicher Biograf, wie kam es dazu?
Ich habe in den USA Kulturgeschichte studiert und mich auf Medien spezialisiert. Nach einiger Zeit im Filmgeschäft fiel mir auf, dass der Mensch und seine Geschichten in unserer vorfabrizierten Medienwelt zu kurz kommt. Noch in den USA begann ich, Familienchroniken über Einwanderer aus Deutschland zu drehen und lernte, dass es in vielen Familien eine große Sehnsucht nach der eigenen Geschichte gibt, aus der sich Identität ableiten lässt. Familien haben ein Bedürfnis danach Generationen zurück zu blicken und so ihren Platz in der Welt zu finden. Zurück in Bremen habe ich aus dieser Sehnsucht einen Beruf gemacht.
Ein ganzes Leben auf einer DvD, wie kann ich mir den Weg dahin vorstellen und wie den fertigen Film?
Zuerst führe ich ein intensives Telefonat mit dem Protagonisten des Films. Daraus entwickelt sich ein Gesprächsleitfaden von etwa 20 bis 30 Fragen, die in einem persönlichen Treffen beantwortet werden. Die Phase kann drei bis vier Tage in Anspruch nehmen. Manchmal habe ich während dieser Zeit im Gästezimmer, oder in einem nahe gelegenen Hotel gewohnt. So muss der Gesprächsfaden nie lange unterbrochen werden.
Während dieser Zeit lerne ich den Menschen sehr persönlich kennen. Zusammen mit den Fakten fließt die Persönlichkeit des Akteurs in das Drehbuch mit ein. Interessant dabei ist, dass die meisten Menschen nur 3 bis 4 Themen bearbeiten möchten. Zunächst waren die Filme reine Interviewfilme. Heute werden alte 8mm Filme, Fotos, aber auch Interviews mit Zeitgenossen und Orte der persönlichen Geschichte filmisch eingebunden.
Brauche ich ein Hollywoodbudget für meinen Biografiefilm?
Die ersten Filme waren sehr aufreibend für mich und kosteten ungefähr 1500.- Euro. Die dramaturgische Technik, das Zuhören, der Zeitfaktor der Abläufe, alles musste noch erarbeitet werden. Heute habe ich eine Filmproduktion in Bremen und Berlin, wo ständig sechs Menschen mit der Herstellung von Biografiefilmen beschäftigt sind. Heute kostet ein Film je nach Aufwand zwischen drei- bis zwanzigtausend Euro.
Früher ließen mächtige Herrscher Portraits von sich malen, wer lässt heute einen biografischen Film machen?
In den USA ist es ganz normal, dass Menschen Biografien von sich selber in Auftrag geben. Hierzulande sind es meist Kinder und Angehörige, die sich für die Geschichte ihrer Herkunft interessieren. Gerne wird ein Biographiefilm auch zu einem besonderen Anlass verschenkt. Stiftungen haben ein besonders nachhaltiges Interesse daran, die Absichten und die persönliche Geschichte hinter einer Stiftung zu kommunizieren. Familienunternehmen profitieren von biografischen Filmen, indem sie den Ursprung und die Firmenethik des Gründers plastisch nach innen und außen kommunizieren können. Das ist wichtig, wenn die Unternehmensführung entweder auf die nächste Generation übergeht, oder wenn Familienfremde den Betrieb übernehmen.
Vielen Dank für dieses Gespräch. Wer Interesse daran hat seinen eigenen Film drehen zu lassen, kann sich auf www.biographica.net informieren
(Christiane Meyer-Ricks)