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Dreieinhalb Millionen Menschen flüchten zwischen 1945 und 1961 aus der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR in die Bundesrepublik. Sie fliehen, weil sie Verwandte im Westen haben, weil ihnen Grund und Boden weggenommen wird, weil sie als Christen benachteiligt und verfolgt werden, weil die Versorgung schlecht ist, weil die politische Freiheit stirbt.
In der Nacht zum Sonntag, dem 13. August 1961, erteilt SED-Chef Walter Ulbricht den Befehl zur Abriegelung der Sektorengrenze. Mehr als 10.000 Volks- und Grenzpolizisten, unterstützt von einigen tausend Kampfgruppen-Mitgliedern, reißen am frühen Morgen mitten in Berlin das Straßenpflaster auf, errichten aus Asphaltstücken und Pflastersteinen Barrikaden, rammen Betonpfähle ein und ziehen Stacheldrahtverhaue. In der Nacht vom 17. zum 18. August wird am Potsdamer Platz der Stacheldraht durch eine Mauer aus Hohlblocksteinen ersetzt. Die Sperranlagen werden in der Folgezeit Schritt für Schritt modernisiert und ausgebaut, bis ein fast unüberwindbares Grenzsicherungssystem entsteht.
28 Jahre, zwei Monate und 28 Tage trennte die Berliner Mauer Menschen in Ost und West - Familien, Freunde und Liebespaare.
Die Stiftung Berliner Mauer hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Berliner Mauer und der Fluchtbewegungen aus der Deutschen Demokratischen Republik als Teil und Auswirkung der deutschen Teilung und des Ost-West-Konflikts im 20. Jahrhundert zu dokumentieren. Besucher sollen hier alle Grundinformationen zum Thema Mauer erhalten. Zur Stiftung gehören die Standorte Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße und die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde.
Die Bernauer Straße wurde zu einem Symbol der Teilung Berlins. Die Abriegelung der Grenze wirkte sich hier besonders dramatisch aus, denn die Fassaden der Wohnhäuser auf der Ost-Berliner Straßenseite bildeten die Grenzlinie, der davor liegende Gehweg gehörte bereits zu West-Berlin. Familien, Freunde und Nachbarschaften wurden gewaltsam auseinander gerissen. Unvergessen sind die spektakulären Fluchten aus den Häusern. Ganze Familien wagten den Sprung in die Freiheit, bis die Fenster der gesamten Straßenzeile zugemauert und etwa 2000 Bewohner unter Zwang umgesiedelt wurden.
Im Jahr 2006 entschied der Berliner Senat, die Gedenkstätte wesentlich zu erweitern. Bis 2011 wird die Gedenkstätte an der Bernauer Straße auf über vier Hektar ausgebaut. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls konnte bereits das neue Besucherzentrum eröffnet werden. Dieses bildet das Eingangstor der Gedenkstätte.
Zu Beginn der Ausstellung bieten zwei Leinwände dem Besucher die Gelegenheit, einen Überblick zu gewinnen. Anschließend besteht die Möglichkeit, den Schilderungen von Zeitzeugen zu folgen sowie einige Stasiakten und Biografien von Maueropfern einzusehen. In diesem Jahr wird die Gedenkstätte um eine Open-Air-Ausstellung erweitert. Der Besucher kann sich dann frei von Öffnungszeiten jederzeit informieren.
Es gab mindestens 136 Maueropfer. Die SED-Führung nahm das Töten billigend in Kauf.
Doch ihr war auch bewusst, dass Schüsse und Tote an der Grenze - vor allem zu Zeiten der Entspannungspolitik - der DDR in der internationalen Öffentlichkeit keinen guten Ruf bescheren. Deshalb versucht sie gemeinsam mit Grenztruppen und Staatssicherheitsdienst, Todesfälle wann immer möglich zu verheimlichen und zu verschleiern. Selbst Leichname ließ die Staatssicherheit spurlos verschwinden. Die Wahrheit über die Todesumstände ihrer Angehörigen erfahren die Familien oft erst in den 1990er Jahren - nach der Öffnung der DDR-Archive und im Zuge der strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Gewalttaten an der Grenze.
Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls und zum 50. Jahrestag des Mauerbaus 2011 hat die Deutsche Welle in Zusammenarbeit mit der Stiftung Berliner Mauer ein einzigartiges Projekt verwirklicht: ›EINGEMAUERT! Die innerdeutsche Grenze‹. Die Computeranimation der Sperranlagen in der Bernauer Straße und an der innerdeutschen Grenze (Hötensleben, Sachsen-Anhalt) zeigt die bedrückende Realität der Grenzanlagen und beantwortet die Frage »Wie war die Mauer wirklich?« Den Film können Sie sich im Internet unter YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=jlbAUFvh04k)
(Markus Spieker)