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avesco Transparent Februar 2010

Das Alter gibt es nicht

Wissenschaftler der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften belegten mit der Berliner Altersstudie, was jeder über 65 längst weiß: ›Das Alter‹ gibt es nicht. Der Mensch altert so individuell wie er lebt. Bis ins hohe Alter hinein haben Menschen unterschiedliche Bedürfnisse, die sich nicht verallgemeinern lassen. Während die Politik noch verzweifelt nach allgemeinen Versorgungslösungen für die drohende Alterspyramide sucht, bieten die Unternehmen Bosch, NEAT und Tunstall gemeinsam mit der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Malteser Hilfsdienst, dem Arbeiter-Samariter-Bund, dem Deutschen Roten Kreuz, der Volkssolidarität, BeWo - Begleitet Wohnen und Sonotel, maßgeschneiderte Dienstleistungen, die ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden verlängern: den Hausnotruf.

Die Ingenieure der Unternehmen entwickelten Geräte, die auf Knopfdruck Hilferufe an eine Einsatzzentrale senden. Dort liegen alle Informationen des Kunden vor und der Diensthabende schickt je nach Situation Kontaktperson, Bereitschaftsdienst oder Notdienst mit einem in der Einsatzzentrale hinterlegten Zweitschlüssel auf den Weg.

Schirmherr der Initiative ist Dr. Norbert Blüm, der von sich selber sagt: »Ich möchte so lange es geht in meinen vertrauten vier Wänden leben, denn einen alten Baum verpflanzt man nicht gerne«, und deswegen den Hausnotruf empfiehlt.

»Auch für Angehörige älterer Familienmitglieder ist die technische Innovation, Hilfe nur dann zu holen, wenn sie nötig ist, ein Segen«, sagt Martina Hartmann, deren Mutter Probleme mit der Hüfte hat und nach einem Sturz auf den Hausnotruf zurückgreifen konnte. »Ohne ihren Knopf am Handgelenk hätte sie Stunden, vielleicht sogar über Nacht, auf dem Boden gelegen.«
Für die Älteren hingegen ist es ein gutes Gefühl, Niemandem zur Last zu fallen und trotzdem würdevoll in den eigenen vier Wänden leben zu können. »Hoffentlich bewahren wir –die Jungen wie die Alten– uns wechselseitig die Achtung«, sagt Blüm, »denn die Selbstachtung ist auf die Achtung des anderen angewiesen.« Darin bezeichnet sich für Blüm Würde.

In Deutschland sind gerade einmal 2 % der über 65-jährigen an den Hausnotruf angeschlossen. In England sind es 16 % und die Kosten werden generell ab einem Alter von 65 Jahren übernommen. In Deutschland muss die Errichtung des Hausnotrufs in der Regel selbst finanziert werden.
»Dass der Hausnotruf sich in Deutschland politisch noch nicht durchgesetzt hat«, sagt Michael Schnepel, von der Initiative Hausnotruf, »liegt auch an den Klischees, in denen wir hierzulande über das Alter nachdenken. Zum Beispiel gehen wir in Deutschland davon aus, dass alte Menschen keine ausgeprägten Lebensziele mehr haben.« Laut der Berliner Altersstudie aber entwarfen 94 % der alten Menschen konkrete Zukunftsszenarien bis ins hohe Alter. Auch das Klischee von den Alten, die sich nur noch mit Krankheit und Tod beschäftigen, wird von der Studie revidiert. 70 % der Teilnehmer gaben an, sich hauptsächlich mit Angehörigen und deren Wohlergehen zu beschäftigen.
»Auch ich möchte im Alter nicht alleine sein, sondern mit Menschen zusammen leben, die ich gut kenne und denen ich vertraue«, sagt Norbert Blüm. »So lange es geht, will ich auch für andere etwas tun. Dasein teilen ist eine Bereicherung für alle«, so Blüm, räumt dabei aber ein: »Allerdings ist das leichter gesagt als getan und ich hoffe, nicht in Altersbitternis zu verfallen und schließlich zu einem nörgelnden Greis zu versteinern.« Rein körperlich sind neun von zehn älteren Menschen nicht pflegebedürftig und leben in Privathaushalten. Drei Viertel dieser in Privathaushalten lebenden Senioren erhalten und benötigen keine regelmäßige Hilfe von außerhalb. Allerdings schränken mit zunehmendem Alter Einbußen der sensorischen, geistigen und körperlichen Fähigkeiten die selbständige Lebensführung allmählich ein.

Dieser Prozess ist laut Schnepel aber ein langsamer, und in der Regel können diese Einschränkungen technisch und personell durch den Hausnotruf ausgeglichen werden. Zum Beispiel liefern viele an den Hausnotruf angeschlossene Versorgungsdienste leckeres Essen, sie bieten Begleitung und Fahrdienste zum Arzt, Therapeuten oder auch zum Friseur. »Den Leistungsangeboten sind keine Grenzen gesetzt«, sagt Schnepel, »und alleine die älteren Menschen bestimmen, welche Dienstleistungen sie im Hausnotrufpaket wünschen.« Dass das Älterwerden von besonderen Herausforderungen geprägt ist und dass es innovativer Konzepte bedarf, um diese zu bewältigen und positiv zu gestalten, bezweifelt heute niemand mehr. »Die Initiative Hausnotruf hat diese Herausforderungen angenommen, damit ältere Menschen lange ein zufriedenes und sicheres Leben in den eigenen vier Wänden führen können«, sagt Michael Schnepel.

Während Experten dem Kollaps des Gesundheits- und Pflegesystems entgegenzittern und sich in katastrophalen Prognosen übertreffen, sieht die Initiative Hausnotruf gelassener in die Zukunft. »Der Hausnotruf ist das individuellste Hilfsmittel im Alter«, sagt Schnepel und ergänzt, »das die leicht hedonistisch geprägte Gruppe der Babyboomer sicher gerne annimmt.« Dr. Norbert Blüm hat sich selber noch kein Konzept fürs Alter gemacht. »Ich nehme es, wie es kommt. Man muss in jedem Lebensabschnitt den schlechten Menschen in sich bekämpfen. Die beste Übung dafür ist, nicht ständig an sich und seinen Vorteil zu denken. Das ist erstens sehr anstrengend und zweitens kann es im Alter passieren, dass alt vertraute Vorzüge wegfallen. Man ist im Alter nicht mehr Sieger in Disziplinen, in denen man als Junger immer gewonnen hat. Also vergesse das Siegen.«
Das Buch ›Wir sehen uns später  - 100 Perspektiven zum Alter‹ der Initiative Hausnotruf können Sie unter www.initiative-hausnotruf.de im Pressebereich downloaden oder über www.lulu.com bestellen.

(Christiane Meyer-Ricks)

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