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Auszeichnungen sind eine wunderbare Sache. Besonders stolz sind wir auf den ersten Platz der Spezialwertung ›Bestes Portfolio‹, das von der Deutschen Börse Market Data & Analytics mit Hilfe der neuen SENSIS-Technik auf Chancen und Risiken geprüft wurde.
Trotz der großen Freude über diese Auszeichnung möchten wir kritisch hinterfragen, wie SENSIS Portfoliorisiken erkennen kann.
Wer nicht nur in Gold und Staatsanleihen investieren möchte, geht ein Risiko ein. Brauche ich einen Experten der mir sagt, das ich alles verlieren (shortfall) kann?
Ja, schon allein um zu zeigen, dass Gold an sich eine hochriskante Anlage sein kann. Aufgrund historischer Belege der vergangenen 30 Jahre können wir Risiken quantifizieren. Im Mittelalter beispielsweise war die Lebensrente des Bauern eine Goldmünze. Mit der Entdeckung Amerikas und den Goldfunden dort wurde das Gold in Europa entwertet. Darüber hinaus ist auch die Werthaltigkeit von Staatsanleihen aktuell bedroht.
1972 verkündete der Club of Rome den Weltuntergang durch das Ende der Ölreserven. Grundlage zu dieser These waren Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Risikomodelle. Wir leben noch und dennoch haben wir den Glauben an Modelle nicht verloren. Woher können Sie wissen, welche Szenarien übermorgen relevant sein werden?
Wir wissen, dass solche Szenarien eintreten, nur nicht wann. Die These des Club of Rome (CoR) liegt nach wie vor im Bereich des Möglichen, nur der Zeitpunkt des Risikoeintritts bleibt offen. Die Anstrengungen, das Öl zu substituieren wurden unmittelbar nach der Ölkrise erhöht, zunächst durch autofreie Sonntage. Der CoR hat linear in die Zukunft hochgerechnet. Das heißt, sie haben eine stetige Fortsetzung des geschichtlichen Verlaufes angenommen, haben aber keine Brüche antizipiert, die ihre These in Frage stellen.
Wir können heute Risiken, wie zum Beispiel das Risiko des gleichzeitigen Absturzes des Goldpreises gegen den Absturz des Aktienmarkts, durch Korrelationsanalysen vergleichen. Auf der Basis historischer Analysen können wir annehmen, dass beide Ereignisse wahrscheinlich nicht gleichzeitig eintreten können.
Was ist eine Korrelation und was ist eine schiefe Korrelation?
Die Korrelation bestimmt den Gleichlauf von zwei Wertpapieren. Autokonzerne beispielsweise verhalten sich derzeit gleichläufig. Gegenläufig verhalten sich Dollar- und Goldpreis. Diese Risikoberechnung hilft, Verluste zu begrenzen. Bei einer schiefen Verteilung habe ich aus Sicht des Privatanlegers wahrscheinliche geringe Einnahmen und sehr unwahrscheinliche oder gar keine hohen Verluste mit Garantien, die den Gewinn noch einmal schmälern. Umgangssprachlich kennen wir das als Anlegers Lieblingsformel: »Lieber den Spatz in der Hand…«
Angenommen, SENSIS erkennt verlässlich Risiken und vermarktet diese. Verfolgen dann nicht alle Anleger zur gleichen Zeit das gleiche Ziel (Kaufen/Verkaufen) und verderben sich so selbst das Geschäft?
Deswegen nicht, weil die Risikobereitschaft bei Anlegern unterschiedlich ausgeprägt ist und es Anleger mit niedriger und hoher Risikoneigung gibt. Der Anleger kauft und verkauft nicht, weil er die Risiken kennt. Wenn alle das gleiche Risikomanagement nutzen und dieses übersieht bestimmte Risiken, dann würden alle Anleger, die dem Trend folgen, in die gleiche Gefahr laufen.
Die herkömmlichen Methoden basieren auf dem Stand von vor 15 Jahren. Inzwischen haben wir viele Krisen erlebt, aber die Modelle wurden nicht angepasst. Wir haben die besten Verfahren, die wir kennen, kombiniert und darüber hinaus eigene Verfahren entwickelt. Dadurch sehen wir Gefahren mit unserem Modell etwas deutlicher und präziser vorher.
Wie werden Risiken gemessen?
Mit mathematischen Modellen, die funktionieren wie ein ›Ölabschneider‹. Sie trennen jedes einzelne Wertpapier nach Anlageklassen im Portfolio in systematische und spezifische Risiken. Die Ergebnisse werden dann in mindestens 10.000 realistischen und marktnahen Simulationen über ein Jahr in die Zukunft simuliert.
Sie sprechen von 10.000 simulierten Szenarien - das kommt mir wenig vor. Wie werden die Szenarien generiert und wie viele Variablen sind im ›Spiel‹?
Wir haben ein neues Verfahren geschaffen, das ohne Parametrisierung des Modells auskommt. Wir legen lediglich fest, aus welchem Zeitraum wir die historischen Daten nehmen, z.B. die Ölkrise 1973. Dann simulieren wir das Portfolio 10.000mal unter damaligen Bedingungen (z.B. Korrelation) mit heutigen Anlagen und erhalten das Szenario für den schlechtesten Fall (worst case scenario) für ein Jahr.
Sollen Anleger überhaupt länger als ein Jahr anlegen?
Ja, aber es gibt Situationen, bei denen man innerhalb von einem Jahr bei bestimmten Anlageklassen reagieren muss, da braucht der Privatanleger einen guten Berater. Der Anlageberater muss Risiken aufzeigen und Reaktionen vorschlagen. Es gibt viele Anlageklassen, die an Schwankungen von Aktien verdienen. Diese Gewinne gehen natürlich zu Lasten schlecht beratener Aktionäre. Private Equity und Hedgefonds zum Beispiel verdienen jetzt viel Geld, das dem klassischen Aktienanleger nicht mehr zugute kommt. Während Renditen bei Aktien früher bei durchschnittlich 13 % lagen, befinden sie sich heute bei 9 %; die Differenz von 4 % wird in anderen Anlageklassen verdient.
Ich muss mir z. B. als Anleger Gedanken machen, ob ich in Private Equity investieren will. Dort wird bei relativ hoher Intransparenz und Illiquidität dasjenige Geld verdient, das klassischen Anlagen, wie Aktien, nicht mehr zugute kommt.
Wie wird eine Rendite quantifiziert? Bedeutet das etwa, Sie wissen heute, wie hoch meine Rendite sein wird?
Nein, der einzige Teil, den wir parametrisieren müssen, ist die erwartete Rendite. Wenn wir Portfolien vergleichen, können wir keine historischen Renditen nehmen, denn auf die letzten zehn Jahre zum Beispiel gesehen, errechne ich für Aktien Verluste. Damit kann ich nicht im Bankentest antreten. Wir ermitteln die erwartete Rendite durch Umfragen bei Vermögensverwaltern pro Anlageklasse, die wir dann für die Simulation verwenden.
Was ist die Effizienz?
Die Effizienz ergibt sich aus dem Verhältnis von Risiko und Rendite. Ein Portfolio ist dann effizient, wenn eine erwünschte Rendite mit dem geringstmöglichen Gesamtrisiko erreicht wird.
Und das hat avesco am Besten austariert.
Was raten Sie heute Anlegern?
Ich würde einem Anleger heute raten, alle Börsenweisheiten der Vergangenheit in Frage zu stellen, da viele professionelle Investoren auf ein gewisses herdenartiges Verhalten der Anleger setzen und damit Geld verdienen.
Da kann es sehr von Vorteil sein, sich einen Vermögensverwalter zu suchen, der Risiken über viele Anlageklassen hinweg streut. In jedem Fall sollten hohe und versteckte Provisionen vermieden werden, weil sie die Rendite schmälern und häufig mit Finanzinstrumenten verbunden sind, die nichts taugen. Und man sollte aber nur investieren, wovon man etwas versteht, denn spontan einsteigen ist leicht, aber einen guten Zeitpunkt für den Rückzug zu finden, dafür gibt es keine Regeln.
Vielen Dank für das Gespräch
(Christiane Meyer-Ricks)