
Die Väter der heutigen Biobewegung, der Mikrobiologe Dr. Hans Müller und der Agrarwissenschaftler Dr. Hans Peter Rusch, beobachteten schon in den 40er Jahren die biologischen Wirkungszusammenhänge zwischen Boden, Pflanze, Tier und Mensch. Dabei erkannten sie, dass naturwidriges Handeln nicht ohne Wirkung für den Menschen bleiben würde und sie entwickelten Grundlagen für die organisch-biologische Landbaulehre. In den 60er Jahren stellten die ersten Betriebe auf organisch-biologische Wirtschaftsweise um. Ein Jahrzehnt später wurde der erste Anbauverein in Deutschland gegründet: Bioland.
Der heute größte Deutsche Bioverein Bioland, legte Richtlinien fest, um eine nachhaltige Ressourcennutzung zu gewährleisten. »Unsere Richtlinien sind bis heute die strengsten«, sagt Yvonne Joehler, zuständig für öffentlichkeitsarbeit beim BiolandVerband. »Wer seine Produkte mit dem Bio-Siegel versehen möchte, muss grundsätzlich auf chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel, auf mineralischen Stickstoffdünger und auf Gentechnik verzichten, seine Tiere artgerecht halten, mit selbsterzeugtem Futter füttern und auch Antibiotika ist weitgehend Tabu«, erklärt Frau Joehler. Immerhin unterwerfen sich 4.712 Bauern und 783 Lebensmittel-Hersteller den strengen Bioland-Richtlinien und aus dem Müsliladen von einst ist eine profitable Wirtschaftskraft geworden.
Waren es früher Birkenstocktragende Atomkraftgegner die im ›Müsliladen‹ einkauften, sind heute Verbraucher, die dem ›Lifestyle of Health and Sustainability‹ folgen, auf dem Vormarsch. Diese sogenannten LOHAS sind gebildet und verfügen über ein überdurchschnittlich hohes Einkommen und bestimmen den Grad ihres grünen, ethisch korrekten Lebensstils selbst. Weil LOHAS auch einen Hauch von Luxus und Top Service lieben, hat sich innerhalb der Naturkostbranche ein innovativer Handelstyp entwickelt – der Bio-Supermarkt. Eine besonders erfolgreiche und expandierende Bio-Supermarktkette ist Alnatura. Ihr Gründer und Geschäftsführer Götz Rehn glaubt an eine ›enorme Zukunft‹, wenn das scharfe Profil ökologisch hergestellter Produkte erhalten bleibe. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Deutschlands größte Bio-Supermarktkette laut Rehn auch auf vergleichbarer Fläche ein knapp zweistelliges Umsatzplus. Mit Plänen für zehn neue Filialen steuert Alnatura auf sein 25. Jubiläum zu. »Wir erwarten auch für das aktuelle Geschäftsjahr ein zweistelliges Umsatzwachstum«, sagte Rehn. Alnatura vertreibt seine Hausmarke - die bald mehr als 1.000 Produkte umfassen soll - auch über 2.600 Filialen von Partnern wie die Drogerieketten dm und Budni sowie die Supermarktketten tegut und Globus. Zum 25. Jubiläum will Alnatura über einen Fonds 100.000 Euro bereitstellen, um mehr Bauern für Bio-Landwirtschaft zu begeistern. Das Geld soll zum Teil über einen Wettbewerb zusammenkommen: Kunden werden aufgerufen, Verpackungen von acht Alnatura-Produkten zu gestalten. Die Kunden-Edition soll ab August 2009 verkauft werden.
Ein weiteres sehr erfolgreiches ›Kind‹ der Bio-Bewegung ist die Bionade. Aber dazu in der nächsten avesco Transparent Ausgabe mehr…
(Kristin Hartmann)